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Medienkompetenzförderung in Nordniedersachsen

Archive for Mai, 2009

Kinderrechte bleiben Nebensache in Niedersachsen

7. Mai 2009

Lüneburg. [gög] “Heute ist ein guter Tag für die Kinder in Niedersachsen” freute sich SPD-Fraktionsvize Uwe Schwarz im Niedersächsischen Landtag, nachdem vorgestern einzelne Kinderrechte in die Landesverfassung aufgenommen wurden.

“Dies ist ein lange überfälliger Schritt“ sagt Georg Gunkel-Schwaderer, der als Bildungsreferent in einem Medienprojekt der SJD – Die Falken in Lüneburg tätig ist. „Und das Land Niedersachsen ist damit schon einen Schritt weiter als z.B. die Bundesregierung, die sich zu einem solchen Vorstoß noch nicht durchringen konnte!“ 

Leider werden nur einzelne Rechte für Kinder aus der UN-Kinderrechtskonvention herausgepickt. Stellt man sich die UN-Kinderrechtskonvention als Haus vor, so ruht das Dach dieses Hauses (Das „Kindswohl“) auf drei Säulen: dem Schutz, der Förderung und der Beteiligung. „Sich mit dem Schutzgedanken immer nur eine der drei Säulen herauszugreifen bringt das Haus zum Kippen“, so Gunkel-Schwaderer weiter.

Damit bleibt also auch das Land Niedersachsen weit zurück hinter einer umfassenden Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, wie sie der Kinder- und Jugendverband SJD – Die Falken fordert. Der Verband setzt sich schon seit über 100 Jahren gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen für deren Interessen und Bedürfnisse ein. David Engelskirchen, Vorsitzender des Bezirksvorstands der Falken in Hannover ist überzeugt: „Der Ausbau der Beteiligungsrechte von jungen Menschen bringt einen gesellschaftlichen Wandel mit sich!“ Kinder, die früh gelernt haben, sich eine eigene Meinung zu bilden, fordern auch andere Rechte ein! Deshalb bedeutet die Stärkung der Beteiligung auch gleichzeitig eine Stärkung aller anderen Kinderrechte. „Sich aber ausschließlich auf den Schutz der jungen Menschen zu fokussieren, greift zu kurz, Engelskirchen weiter!“

Für die Falken geht es also aber um mehr: Die Umsetzung des Rechts auf bestmögliche Entfaltung der Persönlichkeit, um die Entwicklung der Fähigkeiten jedes Einzelnen Kindes zum Beispiel. Kinder müssen umfassend an gesellschaftlichen Entwicklungen beteiligt werden. 

Gleichzeitig arbeitet beispielsweise hier in der Region die Mobile Medienarbeit „MOBiRED“ des Jugendverbandes. Sie tragen dazu bei, Beteiligungsrechte von Kindern, hier etwa das Recht auf Zugang zu Informationen und den Umgang mit Medien umzusetzen (siehe auch Art. 13 und Art. 17 der UN-Kinderrechtskonvention). Diese Arbeit bleibt vom Land bisher gänzlich ungefördert und ist permanent dem Überlebenskampf ausgesetzt. (siehe Pressemitteilung vom 05.05.09)  

Aber das ist nichts Neues, wenn es um Kinder und Kinderleben geht: Kinder- und Jugendarbeit kostet Geld und braucht personelle Ressourcen. Diese Leistungen sind vom Gemeinwesen zu tragen. „Kinderrechte gibt es nicht zum Nulltarif!“ gibt Philippe Bulasch, Leiter des Projektes „Kinderleben findet Sta(dt)t“ zu bedenken. „Wir fordern das Land Niedersachsen auf, nicht auf einem Drittel des Weges stehen zu bleiben, sondern den Sonntagsreden von der Kinderfreundlichkeit dieses Landes Taten folgen zu lassen. Kinderrechte sind nicht aufteilbar!“ fasst Bulasch die Kritik zusammen.

 

Hintergrund: 

Wie umfassende Beteiligung geschehen kann und wie es funktioniert, zeigen die Falken in ihrem Verbandsalltag: Im vergangenen Jahr fand ein europaweites Kinderrechte-Camp in der Nähe von Köln statt, bei dem Kinder ihre Vorstellungen von ihrer Welt entwickelten und nun auf verschiedenen Medien – unter anderem auf einer Informations-DVD –  präsentieren.

 

Weitere Informationen:

http://www.wir-falken.de/ 

 

Weiterlesen regional: 

http://www.mobile-medienarbeit.de/ 

http://www.kinderrechte-lüneburg.de

(Das jüngste Beispiel für gelungene Medienarbeit und Beteiligung von Kindern im kommunalen Kontext: Das Kinderrechteportal für die Region Lüneburg. Hier sind Kinder aus  Lüneburg dabei, ihre Lebenswelt auf die Umsetzung der Kinderrechte hin zu untersuchen. Als Kinderrechts-Detektive überprüfen die sechs- bis zehn-Jährigen ihre Stadt auf Kinderfreundlichkeit.)

http://spielplatztest.falken-nordniedersachsen.de/

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Kommentar: Förderung der Medienkompetenz in Niedersachsen – Fehlanzeige!

5. Mai 2009

Es ist doch ein Kreuz!

Vergleicht man die medienpädagogische Situation in Niedersachsen und hier vor allem die Förderung der Medienarbeit, mit der in anderen Bundesländern, muss man dem Land Niedersachsen leider bescheinigen, dass es in der Fläche ein Entwicklungsland ist.

Medienpädagogische Initiativen, wie die Mobile Medienarbeit “digilog ‘n’ media” unseres Jugendverbandes SJD-Die Falken stehen weit und breit allein im Feld der Jugendarbeit dar. Einige wenige Initiativen gehen von Jugendzentren aus, die Angebote nehmen sich eher als “Highlights” im normalen Programm aus.

Einen landesweiten Kinder- und Jugendförderplan, der diesen Namen verdient und vor allem auch Medieninitiativen, als verbindlichen Teil der Jugend- und Jugendverbandsarbeit fördert sucht man vergebens. Einzig die Integration von Informatik und rudimentären Medienelementen im System Schule wird mit mäßigem finanziellen Anreiz gefördert.

Qualifizierte Fort- und Weiterbildung von LehrerInnen in diesem immer zentraler werdenden Bereich sind nicht an der Tagesordnung.

 

Digitale Spaltung der Gesellschaft – in Niedersachsen perfekt vorbereitet

Man könnte meinen, die Niedersächsische Landesregierung habe noch nie von der Digitalen Spaltung der Gesellschaft [digital devide] gehört oder schätze diese drohende Gefahr für einen großen Teil der Bevölkerung eher als Nebensache ein.

Tatsache ist aber, dass sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen zusehens ins Hintertreffen geraten. Konzepte und Ansätze hier etwas zu ändern gibt es viele. Aber es muss dafür staatlicherseits Geld in die Hand genommen werden. Und genau daran hapert es in Niedersachsen.

Während in Nordrhein-Westphalen die Zeichen der Zeit erkannt wurden und dieses Bundesland zu einem Mekka der Medienkompetenzförderung wurde, schlummert Niedersachsen zwischen bäuerlicher Landwirtschaft und VW-Gesetz.

Jugendliche und vor allem deren Mediennutzung scheint immer nur auf den Plan zu geraten, wenn einmal wieder ein Erfurt, Emsdetten oder Winnenden passiert. Fortschrittliche Konzepte der Medienpädagogik werden nach politischem Gusto gefördert oder der Versenkung preisgegeben.

Einzig die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) wird vom Land herausragend gefördert – ihre Medienmobile dienen der Ausbildung von Multiplikatoren, die laut NLM-Definition lediglich durch Lehrer oder Sozialarbeiter dargestellt werden; bestenfalls noch Jugendleiter. Welchen medienpädagogischen Nachhalt dies an der Basis der Kinder und Jugendlichen erbringt, bleibt unklar, zumal die Zielgruppe, also die Kinder und Jugendlichen, die eigentlichen Multiplikatoren wären.

Dorthin, an diese Basis, gehört eine an der Lebenswelt der jungen Menschen orientierte Medienarbeit. Mit den jungen Akteuren muss auf möglichst freiwilliger, ungezwungener und vor allem durch Schulnoten, unbewerteter Ebene, fachlich versiert gearbeitet werden. Dies schließt die Zugrundelegung von Werten nicht aus, sondern macht sie diskutabel. Kinder und Jugendliche können sich so, unbeeinflusst von Schulnoten, gesellschaftliche Werte aneignen, sie diskutieren und ihre Erkenntnisse, Wünsche und Bedürfnisse auf gekonnte Weise präsentieren.

Dies alles schließt explizit die Kooperation mit Schulen nicht aus. Im Gegenteil: Die (oft kritisierte, mangelnde) “gleiche Augenhöhe” zwischen Schule und Jugend(verbands)arbeit wäre eine wichtige Grundlage der Kooperation.

Wir, als im Norden Niedersachsens agierende, Mobile Medienarbeit wünschen uns, dass die medienpädagogische Rückständigkeit Niedersachsens bald ein Ende hat. Wir fordern die Aufnahme von medienpädagogischen Initiativen und der aktiven Medienarbeit in einen landesweiten Kinder- und Jugendförderplan, der diesen Namen verdient. Projektbezogene Förderungen führen dabei zu einem Dschungel an tollen Ideen, der jedoch kaum eine Nachhaltigkeit entfalten kann, sondern sich aufreibt im permanenten Beantragen neuer Mittel. Eine inhaltliche Arbeit wird dabei zusehens unmöglich!

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